Wir arbeiten uns nicht in die Überforderung, wir streiten mit uns selbst!

Ein Freund von mir ist Lehrer. Tagein, tagaus muss er sich mit Schülern rumschlagen. Dabei scheint er aber gar nicht gestresst zu sein. Er ist Klassenlehrer einer achten Klasse! Den meisten von uns reicht schon ein Teenager zuhause. Stellen Sie sich vor Sie hätten 30 davon. Außerdem unterrichtet er 5 weitere Klassen, sitzt in verschiedenen Projekten der Schule, ist verheiratet, hat zwei Kinder und ist ehrenamtlich in der Gemeinde tätig.

Nahezu jeden Morgen kommt er gut gelaunt in die Schule und selbst wenn es harte Tage gibt, kommt er wieder auf die Beine.

Eine Ausnahmesituation, ich weiß. Lehrer gehören ja zur Burnout gefährdeten Bevölkerungsschicht.

Aber vielleicht ist es gar nicht die Arbeit, die uns krank macht. Vielleicht sind es vielmehr unsere Ansprüche, Rollenkonflikte und Sinnkrisen, die für ein drohendes Burnout verantwortlich sind.

Warum uns Arbeit nicht krank macht?

Arbeiten Sie gern? Sind Sie glücklich? Genießen Sie das, was Sie tun? Haben Sie das Gefühl, dass Sie der Welt etwas geben? Dass Sie etwas Wichtiges tun?

Malcom Gladwell erklärt in seinem Buch „Überflieger“ dass die Menschen in der Regel nach drei wesentlichen Aspekten suchen:

– Autonomie

– anspruchsvolle Tätigkeiten

– Zusammenhang von Einsatz und Belohnung

Erleben Sie das in Ihrer Arbeit? Wenn ja, dann gehören Sie vermutlich nicht zur gefährdeten Spezies. Wir können so viel leisten, wenn wir das Gefühl haben, dass sich der Einsatz lohnt.

Warum wir unsere Rollenbedürfnisse kennen müssen?

Einer der schwerwiegendsten Gründe für ein Burnout sind Rollenkonflikte. Welche Rollen leben Sie? Vielleicht sind Sie Vater, Ehemann, Chef, Freund, Individuum. Vielleicht gibt es noch einige mehr.

Bekommt jede Lebensrolle ausreichend Raum, um sich zu entwickeln? Oder erdrückt eine Rolle alle anderen? Es ist wirklich nicht leicht die Bedürfnisse in jedem Lebensbereich zu erkennen und zu integrieren. Und genau da liegt das Problem. Häufig sind es konträre Erwartungen Anderer oder eigene Ansprüche an uns, die zu Stress und Frustration führen. Stress beginnt immer im Kopf, Stress entsteht aus der Bewertung einer Situation, die wir vornehmen.

Was, wenn Sie wirklich ein guter Vater sein wollen? Es ist Ihnen ein Bedürfnis, pünktlich zuhause zu sein, Zeit mit den Kindern zu verbringen und Ihnen zuzuhören. Aber gerade heute, kommt es zu einem komplexen Vorfall. Ihre Kompetenz als Führungskraft ist gefragt. Es geht nicht ohne Sie, denn auch hier ist es Ihnen ein Bedürfnis richtig zu handeln. Ihre Mitarbeiter erwarten Präsenz und Hingabe. Ihre Partnerin auch. Wie gehen Sie mit diesen Konflikten um?

Rollenkonflikte führen zu Sinnkrisen!

Irgendwann können Sie weder sich selbst, noch Anderen gerecht werden. Das ist der Moment, in dem Sie merken, dass Sie gelebt werden. Sie entscheiden nicht mehr! Sie sind nicht mehr der Akteur, geschweige denn der Regisseur! Sie sind die Marionette Ihrer Lebensumstände.

Warum tun Sie das alles? Welchen Sinn hat es? Welchen Werten folgen Sie eigentlich?

Brauchen Sie das alles?

Sinnkrisen sind Sinnchancen!

Jeder von uns muss sich diese Fragen irgendwann stellen. Bin ich am richtigen Ort? Tue ich das Richtige? Tue ich es gern? Wir müssen unsere Prioritäten klären. Welchen Werten folgen wir? Was ist unsere Berufung?

Erinnern Sie sich an die drei Aspekte von oben?

Autonomie bedeutet nicht mehr Opfer seiner Lebensumstände zu sein, sondern die Regie zurückzuerobern. Werden Sie Handelnder! Leben Sie Ihre Lebensrollen in Balance mit Ihren Bedürfnissen und Werten. Ergreifen Sie die Chance Ihr Leben zu genießen und Etwas zu schaffen, dass Bestand hat.

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